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Vitamine
Mineralstoffe und Spurenelemente
Essig-Tips
Rezept für Apfelessig
Lexikon

Was ist dran am Apfelessig?

Essig ist aus unseren Alltag schlichtweg nicht mehr wegzudenken: wir verfeinern damit unsere Salate und Saucen, konservieren Gemüse und es sind die Essigbeizen, die das Fleisch oft erst zart und bekömmlich machen. Darüber hinaus verwenden wir Essig im Haushalt als Putzmittel, beim Geschirrspülen und als Weichspüler für die Wäsche. Doch immer öfter kommt Essig - im besonderen Apfelessig - nun auch als Naturheilmittel ins Gespräch. Was hat es damit auf sich?

Universitätsprofessor Dr. Wolfgang Marktl vom Institut für Medizinische Physiologie an der Universität Wien kann sich nicht erklären, welche Substanzen den Essig zu dem gepriesenen "Wundermittel" machen könnten. "Ich glaube auch nicht", so Marktl weiter, "daß es überhaupt irgendein Mittel gibt, das bei derartig vielen Problem, wie vom Apfelessig immer wieder behauptet wird, helfen kann".
Ähnlich skeptisch zum Apfelessig-Boom äußert sich Dr. Robert Dissmann, vom Forum Ernährung Heute: "Eine wissenschaftlich bewiesene Wirkung des Apfelessigs ist uns nicht bekannt und leider auch nirgendwo wissenschaftlich dokumentiert."

Wissenschaftliche bewiesen jedoch ist, daß Apfelessig all das enthält, was auch den Apfel so gesund macht: Vitamin A, B1, B2, B6, Folsäure, Vitamin C und E sowie die Mineralstoffe und Spurenelemente Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium, Phosphat, Eisen, Fluor, Jod und Zink, Kupfer, Selen.
Darüber hinaus enthält Apfelessig Stoffe, die erst im Laufe der Essigentstehung dazukommen: Essigsäure, Propionsäure, Zitronensäure, Karbolsäure, Aminosäuren, Pektin, Tannin, Bioflavonoide, Aldehyde und Enzyme.


Vitamine

Vitamin A etwa ist von Bedeutung für das Immunsystem und die Hautbildung. Zudem wirkt es als Wachstumsfaktor und ist notwendig für das Sehen.

Die Vitamin B1, B2 und B6 sind wichtige Stoffwechselfaktoren.

Folsäure: Ein Mangel an Folsäure zeigt sich besonders dort, wo eine schnelle Regeneration nötig ist, wie an den Schleimhäuten oder bei der Blutbildung. Neuere Untersuchungen deuten auch darauf hin, daß ein Folsäuremangel über die Erhöhung des Homocysteingehaltes im Blut die Arteriosklerose fördern kann.

Vitamin C, das bekannteste aller Vitamine, stärkt das Immunsystem und hilft dem Körper Eisen aus der pflanzlicher Nahrung zu ziehen. Diskutiert wird auch, ob Vitamin C positive Wirkung auf die Anfälligkeit gegen Infektionskrankheiten hat oder durch das Abfangen schädlicher Sauerstoffradikale die Tumorentstehung und die Entwicklung der Arteriosklerose hemmen könnte.

Vom Vitamin E weiß man, dass es lebensnotwendig ist, obwohl kein konkretes Vitamin-E-Mangel-Symptom für den Menschen bekannt ist. Neuere Untersuchungen lassen jedoch vermuten, daß ein Mangel an Vitamin E zu Organstörungen führt, unter anderem auch zu Störungen im Zusammenhang mit dem Alterungsprozess.

Mineralstoffe und Spurenelemente

Einige Elemente sind wichtige Bestandteile unseres Organismus. Calcium zum Beispiel macht immerhin 1,5 Prozent unseres Körpergewichtes aus. Der größte Anteil ist in den Knochen und Zähnen gebunden. Das freie Calcium ist unter anderem für die Blutgerinnung und die Funktion von Nerven und Muskeln wichtig. Darüber hinaus wirkt es allergischen Reaktionen entgegen.

Natrium reguliert den Wasserhaushalt und ist notwendig für die Funktion der Nerven - und Muskelzellen, ähnlich wie Kalium das ebenfalls eine entscheidende Rolle bei der Nerven- und Muskelarbeit spielt.

Eisen wiederum fördert die Blutbildung und den Sauerstofftransport und beugt Anämie und Leistungsabfall vor.

Spurenelemente sind nur in geringsten Mengen in unserem Körper vorhanden, doch sie sind lebenswichtig.

Bleiben noch jene Stoffe, die entstehen, wenn der Apfel zum Essig wird. Zum ersten die Essigsäure. Sie ist charakteristisch für jeden Essig und hilft bei der Verdauung von Fetten und Kohlehydraten. Die Zitronensäure wiederum braucht der Körper für den Kohlehydratstoffwechsel. Propionsäure hat konservierende Eigenschaften

All das zusammen erklärt aber immer noch nicht die heilsamen Segnungen des Apfelessigs. Das wissen auch die Autoren A. Schwarz und R. Schweppe. In ihrem Buch "Apfelessig - Das Hausmittel für natürliche Schönheit und Gesundheit" schreiben sie: "Der Wissenschaft fällt es schwer, die komplizierten Wechselwirkungen - von mitunter hunderten von Stoffen! - eines Naturheilmittels exakt zu beschreiben. Daher sind wir bei Naturheilmitteln mehr auf Erfahrung und genaue Beobachtung angewiesen."

Essig hat eine jahrtausendalte Tradition. Bereits von 5000 Jahren stellten die Babylonier Essig aus Datteln her, konservierten ihr Fleisch darin und setzten Essig auch schon medizinisch ein. Auch den alten Ägyptern war der Essig bekannt. Sie tranken Essigmischungen als belebendes Getränk und nutzten Essig auch für die Schönheitspflege.

Tausend Jahre später, im Mittelalter, wurde Essig dann richtig populär. Man stellte dutzende von Sorten her und wußte auch um seine Heilkraft. Die berühmte Hildegard von Bingen (1098 - 1178), deren Heilkunde heute wieder entdeckt wird, empfahl Essig unter anderen bei Augenkrankheiten: "Nimm zu gleichen Teilen Essig und Honig und füge Poleiminze hinzu. Trinkst du dies vor dem Mahle, so macht es die Augen klar." Natürlich kannte sie auch die hervorragende Wirkung des Essigs auf die Verdauung.

Mit dem Aufkommen der modernen wissenschaftlichen Medizin und Pharmazie gerieten die alten Hausmittel immer mehr in Vergessenheit bis einige besonders an der Volksmedizin interessierte Menschen den Apfelessig wieder entdeckten und populär machten.

1949 erschien das erste Buch von Cyril Scott: Cider Vinegar. Die deutsche Veröffentlichung kam 1969 mit dem Titel : "Für deine Gesundheit - Apfelessig" auf den Markt. Wirklich populär wurde Apfelessig jedoch durch den amerikanischen Landarzt D.C. Jarvis. Sein Buch mit dem vielversprechenden Titel: "Fünf mal zwanzig Jahre leben", erschien 1958 und wurde bald zum Bestseller. Heute stehen wir vor einer wahre Flut von Veröffentlichungen, die alle die Segnungen des Apfelessigs preisen. Zu recht? Wer weiß. Wie schon erwähnt, es gibt keine wissenschaftlich fundierte Untersuchung zur Heilkraft des Apfelessigs. Man sollte diese machen, meint auch Universitätsprofessor Marktl

Bis dahin werden den Apfelessig-Jüngern folgende Ratschläge ans Herz gelegt:

Apfelessig sollte nie pur getrunken werden, da durch die hohe Säurekonzentration der Magen gereizt würde. Bei empfindlichen Magen sollte er auch verdünnt nicht auf leeren Magen getrunken werden.

In selten Fällen kann es vorkommen, daß bei äußerlicher Anwendung von Apfelessig bestimmte Hautirritationen auftreten. Vor einer großflächigen Anwendung mit Apfelessig empfiehlt sich daher immer ein Probe am Unterarm.

Sollten die gesundheitlichen Probleme trotz der Behandlung mit Apfelessig aber auch nach einigen Tagen nicht verschwinden oder sich wenigstens gebessert haben, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

So stellen Sie Apfelessig her:

Pressen Sie ca. 4 bis 6 Kilogramm klein geschnittene, süße Äpfel aus.

Geben Sie den Saft, die ausgepreßten Apfelstücke und zwei Messerspitzen Hefe in ein dunkles Gefäß und verschließen Sie es mit einem Luftballon.

Lagern Sie das Gefäß drei Wochen lang dunkel, ruhig und bei einer Temperatur von über 20 Grad Celsius.

Den nunmehr entstandenen alkoholischen Apfelmost filtern Sie durch ein grobes Leinentuch und füllen ihn in flache Gefäße um.

Geben Sie eine kleine Menge (gekauften oder früher hergestellten) Apfelessig dazu, decken Sie die Gefäße mit luftdurchlässigen Tüchern ab.

Lagern Sie die Gefäße dunkel, ruhig und bei einer Temperatur von 25 bis 29 Grad Celsius.

Nach acht bis 14 Wochen ist der Apfelessig fertig und Sie können ihn nach einer erneuten Filterung durch ein Leintuch abfüllen.

 

Aus einem Lebensmittellexikon

Apfelessig, ein aus Apfelwein mit pikant-fruchtiger Note hergestellter Gärungsessig. Der A. enthält alle Inhaltsstoffe des frischen Apfels und kann sowohl als Würzessig als auch zur Verfeinerung von Salaten, Soßen, für eingelegte Früchte und Gemüse, zum Marinieren oder Beizen und als Erfrischungsgetränk durch Verdünnen mit Trinkwasser und ggf. Honig- oder Zuckerzusatz, verwendet werden. Eine Unterscheidung zwischen Gärungs- und synthetischem Säureessig ist durch Bestimmung der spezifischen 14-C-Radioaktivität möglich.